Das „Filmstar-Sekretariat Hans Dangers“ Berlin-Zehlendorf
Written by Rolf Ramseier   
Saturday, 12 May 2007

Das „Filmstar-Sekretariat Hans Dangers“ Berlin-Zehlendorf 

Bereits in den 1950er und 1960er Jahren war Autogramme sammeln in Deutschland ein relativ verbreitetes Hobby, welches seinen Aufschwung vor allem dem sich damals in den Haushaltungen verbreitenden Fernsehgerät aber vermutlich auch der 1956 gegründeten Jugendzeitschrift BRAVO verdanken dürfte. 

Mit der grösseren Nachfrage nach Autogrammen stiegen natürlich auch Aufwand und Kosten der Stars. So betrieb Romy Schneiders Stiefvater, Daddy Balzheim, ab ca. 1954/55 eine eigentliche Autogrammfabrik wo täglich 300-600 Anfragen beantwortet wurden. Er errechnete den jährlichen Aufwand für die Erledigung der Fanpost auf DM 24'000. Und obwohl Romy ihre Fanpost immer gerne selber erledigte kam man nicht herum auch Sekretäre für sie signieren zu lassen. Alleine von einem Sekretär, dem Rentner Steimels, existieren um die 175'000 von ihm im Namen von Romy Schneider signierter Karten, er „schaffte“ bis zu 400 Unterschriften pro Stunde ! 

Die Sekretärunterschrift von Romy Schneider aus der Hand von Rentner Steimels : 

 

 

Vermutlich ebenfalls in den 1950er oder zu Anfang der 1960er Jahren wurde in Berlin das „Filmstar-Sekretariat Hans Dangers“ gegründet. Die damalige Postanschrift lautete :

Filmstar-Sekretariat Hans Dangers, Berlin-Zehlendorf, Vopeliuspfad 11, Berlin-West

Unter dieser Adresse konnte man damals für DM 0.50 pro Stück Ufa-Starpostkarten mit Autogrammen bestellen. Im Prospekt von 1962 wird ausdrücklich darauf hingewiesen das man – kein Druck, kein Faksimile, kein Stempel - sondern ausschliesslich Originalfotos (Ufa-Starpostkarten) der Künstler mit Autogramm erhalten würde. Anhand eines Stempels der auf der Rückseite einer Starpostkarte mit Autogramm von Julie Adams zu finden ist, erfährt man das der Kaufpreis vom DM 0,50 einen Beitrag zu Gunsten des Sozialfonds der Künstlernothilfe beinhaltet.

Die nachfolgenden Prospekte des Filmstar-Sekretariats Hans Dangers, die uns freundlicherweise von Ada-Mitglied Hermann Westphal zur Verfügung gestellt wurden, bieten einen Einblick in das vermutlich relativ florierende Geschäft mit signierten Starpostkarten zu jener Zeit.

So sind neben 2 Bankverbindungen in Deutschland auch in Österreich, Schweiz, Holland und Dänemark Konten zur Bezahlung vorhanden was auf eine breite Streuung der Autogrammkarten deutet.

Die Liste der angebotenen Künstlerpostkarten mit Autogramm umfasst ca. 250-300 verschiedene Namen, darunter hauptsächlich deutschsprachige Stars, aber auch Stars aus dem Europäischen Raum und aus den USA sind auf den Listen zu finden.

Die Prospekte lassen sich Anhand des darin angebotenen „Film-Taschenkalender“ jeweils auf das Jahr 1961 und 1962 datieren.

Doch waren all diese zu tausenden, ja möglicherweise zu zehntausenden verschickten Ufa-Starpostostkarten mit Autogramm, von den jeweiligen Stars auch wirklich selber und persönlich handsigniert ?

Leider muss man aus heutiger Sicht sagen, eindeutig Nein.

Zwar sind vermutlich die vom Filmstar-Sekretariat verschickten Starpostkarten mit Autogramm der deutschsprachigen Stars fast durchwegs echt, worauf auch die Notiz auf einem der Prospekte hindeutet „Für die Grossfotos längere Lieferzeit erforderlich“. Diese Grossfotos wurden wahrscheinlich aufgrund der eher geringen Nachfrage immer separat angefordert und wie aus den in dieser Liste aufgeführten Namen zu erkennen ist, wurden Grossfotos ausschliesslich von deutschsprachigen Stars angeboten. Auch sind dem Autor und anderen Sammlern bisher bei den deutschsprachigen Stars keine Abweichungen zu anderen authentischen Signaturen aus dieser Zeit aufgefallen (Ausnahme : Curd Jürgens am Ende des Berichtes).

Doch sobald man zu den auf den Listen auch relativ oft vertreten Stars aus dem restlichen Europäischen Raum und den USA kommt fallen markante Unterschiede zu authentischen Signaturen der Stars aus dieser Zeit auf. Auch fällt die oftmals gleichfarbige Tinte bei verschiedenen Stücken auf und auch die, teils kindlichen, Schreibstile der verschiedenen Unterschriften sind sich oftmals durchaus mehr als nur ähnlich. Ausserdem wurden die Karten der internationalen Stars fast ausschliesslich mit Tinte signiert, wohingegen bei den deutschsprachigen Stars oftmals schon der Kugelschreiber in Einsatz war.

Auch sind viele der Unterschriften den Originalen aus dieser Zeit durchaus sehr ähnlich, woraus zu schliessen ist das dem Filmstar-Sekretariat zur Signierung der Karten auf jedenfall auch Originale vorlagen, doch lassen sich bei vielen der Sekretariats-Unterschriften die immergleichen Abweichungen zu authentischen Signaturen erkennen.

All diese Punkte lassen nur eine Schlussfolgerung zu - das vermutlich keines der vom Filmstar-Sekretariat verschickten Autogramme internationaler Stars authentisch ist, sondern das diese in Berlin von vermutlich mehreren verschiedenen Sekretären im Namen der Stars signiert wurden.

Die 17 nachfolgend abgebildeten Starpostkarten mit Autogramm stammen ausschliesslich aus ein und der selben Sammlung, die seit den 1960er Jahren unberührt war und erst vor ca. 2 Jahren aufgelöst wurde. Solche und ähnliche Sammlungen tauchen seit Jahren immer wieder im deutschsprachigen Raum auf und diese Karten sind nicht wirklich selten.

    

    

   

    

   

   

   

    

Die folgenden Starpostkarten mit Autogrammen können vermutlich ebenfalls dem Filmstar-Sekretariat Berlin zugeschrieben werden. Die Karten stammen alle aus ein un derselben Sammlung die im Dezember 2005 auf ebay aufgelöst wurde.

    

   

   

   

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die Karte von Marilyn Monroe. In der Reference Directory weist Isitreal auf zwei hauptsächlich immer weider angebotene Sekretäre hin. Man kann nun davon ausgehen das die hier als Secretary 2 geführte Unterschrift mit grosser Wahrscheinlichkeit aus dem Filmstar-Sekretariat in Berlin verschickt wurde. Da Secretary 1 allgemein als die "London Studio Signature" bekannt ist, ist davon auszugehen das die Secretary 2 Signaturen höchstwahrscheinlich in Berlin "produziert" wurden.

 

Bisher auf isitreal veröffentlichte Studien zum Filmstar-Sekretariat, Berlin

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Last Updated ( Tuesday, 10 July 2007 )